feder

Notizen oder: Der Frust ist groß !!

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tata

Ich bin frisch in „Rente“ und habe daher endlich die Zeit (und auch den Nerv), mich via TV, Zeitungen, Internet etc. zu informieren. Vielleicht bin ich ja viel zu blauäugig – aber die derzeitige gesellschaftliche und politische Situation auf unserem Planeten haut mich richtiggehend um. Ich vermisse fast überall Ehrlichkeit, Transparenz und Gerechtigkeit. Und ich frage mich immer häufiger: Was um Himmelswillen geht hier (in unserer Welt und in unserem Land) eigentlich vor?

Denn irgendetwas läuft de facto gewaltig schief auf unserem Planeten. Die Welt-Nachrichten sind voll von Besorgnis erregenden Berichten über augenscheinlich machtbesessene, geldgierige und egomane Politiker aller Couleur. Ihr Reden und Handeln ist für einen „normal“ denkenden Menschen nicht nachvollziehbar. Das Volk hat das Vertrauen in die Politik verloren. Zunehmend entgleitet die Welt den wenigen politisch noch Vernünftigen.

Auch in unserem Land stimmt so vieles ganz und gar nicht (mehr). Und das schon seit Monaten, vielleicht Jahren, Jahrzehnten – mir ist es nur noch nie so krass aufgefallen. Ich sehe und höre mit Schaudern, wie so manche hohe Volksvertreter oder Pressesprecher großer Konzerne auch bei uns tricksen, lügen und betrügen, was das Zeug hält.

Oft genug bestimmen überalterte Männer, denen eine lebenswerte Zukunft der kommenden Generationen anscheinend völlig gleichgültig ist (weil es sie nicht mehr betrifft), ganz legal das globale politische und industrielle Geschehen. Ich erlebe auch bei uns politisch Verantwortliche in Regierung und Opposition, die nicht mehr dem Wohl des Volkes verpflichtet zu sein scheinen, sondern offensichtlich von Lobbyisten großer Konzerne fremdgesteuert werden: Ungebrochen setzen Industrie, Wirtschaft und Finanzwelt primär auf Profit, Wachstum und Wohlstand; zu viele missbrauchen (sehenden Auges) ihre Macht zum Schaden anderer und der Welt. Es geht letztlich nur um Geld und/oder Macht – man verteidigt seine Pfründe ohne Rücksicht auf Verluste.

Liebe Volksvertreter, warum tut ihr das? Ihr wisst es doch besser! Wer oder was hindert euch daran, den Konzernen zu widersprechen? In anderen Ländern weiß bzw. wittert man sofort Korruption, Geldgier, Erpressung, Angst ums eigene Leben. Aber hier bei uns?

Ihr wisst doch ganz genau: Die politisch immer so betonte Balance zwischen Klima und Umwelt auf der einen und Industrie und Arbeitsplätzen auf der anderen Seiten ist heute längst nicht mehr haltbar: Was nützen Industrie und Arbeitsplätze, wenn die lebenswerte Zukunft des ganzen Planeten auf der Kippe steht?

Noch gelingt es in unseren Breiten, die größte Masse der Bürger mit dem Versprechen von immerwährendem Wohlstand und den altbewährten „Brot und Spielen“ ruhig zu halten. Doch wenn die Renten immer weniger zum Leben reichen, wenn die Mieten immer unbezahlbarer werden, wenn die Zerstörung der Natur immer weiter zunimmt und die Ökosysteme immer mehr kollabieren, wenn die Folgen von weltweiten Wetterextremen uns häufiger treffen, wenn die Zahl der Klima-Flüchtlinge zunimmt, weil ihre Heimat unbewohnbar wird – dann wird die Stimmung wohl ganz kippen.

Der alte Spruch
aus alten Jugendzeiten
gewinnt immer mehr
an Bedeutung.

„Wir gehen
mit unserem
Planeten um,
als hätten wir
noch einen
zweiten
im Kofferraum.“

Die Erde
braucht
uns
nicht;
wir
brauchen
die Erde !!

... wenn die

„Büchse
der
Pandora“


erst einmal
geöffnet ist ...

„Das Volk
hat das Vertrauen
der Parteien verscherzt.
Wäre es da
nicht doch einfacher,
die Parteien
lösten das Volk auf
und wählten
ein anderes?“

(frei nach Bert Brecht)

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich kann mich nun beim besten Willen nicht beklagen. Meiner Frau und mir geht‘s richtig gut. Wir sind nicht „reich“, aber wir kommen in der Regel problemlos zurecht.

Wir leben bewusst auf dem flachen Land in einer ausgesprochen Fahrrad-freundlichen Gegend – hier gibt’s noch gute Luft, wenig Feinstaub, diverse Hofläden, engagierte Metzger ... Wir verwenden weitgehend regionale und saisonale Produkte, fahren nur dann mit dem Auto, wenn es unbedingt nötig ist, vermeiden unnötige Kosten und Umweltbelastungen so gut es geht.

Mich erinnert das derzeitige Erstarken rechtsextremer Parteien an die bekannte Ballade „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe: Der Zauberlehrling ist alleine und probiert einen Zauberspruch seines Meisters aus. Er verwandelt mittels Zauberspruch einen Besen in einen Knecht, der Wasser schleppen muss. Anfänglich ist der Zauberlehrling stolz auf sein Können, doch bald merkt er, wie er der Situation nicht mehr gewachsen ist: „Herr, die Not ist groß. Die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht mehr los!“ – Wer Ohren hat, der höre!!

Was sagte kürzlich meine Mutter: „So ähnlich hat es »damals« auch angefangen!“ – Meine Mutter ist 94 Jahre alt, im Kopf sehr jung und hat das »Damals« live miterlebt. Bitte niemals vergessen: Es gibt eine besondere Verantwortung Deutschlands, dass sich die Geschichte (von »damals«) nicht wiederholt: „Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt“ (5. Mose 29, 17).

Die Abholzung von Wäldern, die Überfischung der Meere, die Übernutzung von Böden, die Belastungen des Trinkwassers, die Verschmutzung der Luft – all das macht Menschen zunehmend wütend, weil politisch wenig bis nichts dagegen unternommen wird. Schon jetzt ist die Unzufriedenheit vieler nachdenklicher Bürger nicht zu übersehen, manche werden richtiggehend wütend, und inzwischen formiert sich ernstzunehmender Widerstand.

Wir sind bereits mitten drin in der Krise – nur anders als von vielen vorhergesagt. Denn langsam aber sicher beginnt eine Art „klimatische Revolution“: Die „junge“ Generation fühlt sich um ihre Zukunft betrogen und macht (mit Recht) die „alte“ und „mittlere“ Generation für die nicht abnehmenden Schläge gegen unseren Planeten und seine Bewohner verantwortlich – mit vermutlich gravierenden Folgen, falls die Politik nicht schnellstens zuhört und zu handeln beginnt …

Nun – ich lebe gerne hier in unserem Land, sehr gerne sogar. Wir leben in einem Rechtsstaat – und das ist verdammt gut so. Doch was ist – so frage ich mich in letzter Zeit immer öfter –, wenn das geltende Recht anscheinend so gar nicht (mehr) dem Rechtsempfinden vieler Staatsbürger entspricht? Ich entdecke dies immer mehr bei Gesprächen im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. Da nimmt man inzwischen kein Blatt mehr vor den Mund; die Sorge um unser Land und um unsere Zukunft und die unserer Kinder wird dramatisch deutlich. Die Wut über Tatenlosigkeit wird größer, die Politik-Verdrossenheit steigt, und so manchen treibt es mit Macht in die Fänge gewisser extremer Parteien. Das Denken und Handeln von Gestalten wie Donald J. Trump, Recep Tayyip Erdoğan, Viktor Orbán, Jarosław Kaczyński, Geert Wilders sowie bei uns Alexander Gauland und Jörg Meuthen etc. (um nur einige Namen zu nennen) raubt einem schlichtweg den Atem und lässt die Nackenhaare hochschnellen.

Im Grunde dürfte es jedem klar sein, was passiert bzw. nicht passiert: Wem es einigermaßen gut geht in unserem Land, der wundert oder ärgert sich, schüttelt den Kopf und wechselt vielleicht bei den nächsten Wahlen klammheimlich die Partei, verschließt aber ansonsten noch seine Augen, hält noch still und fördert damit, „was im Gange ist“ – nur: Wie lange noch? Wem es schlechter geht, der versucht (sofern er dazu überhaupt Zeit und Kraft hat) schon jetzt, „dem Rad in die Speichen zu greifen“ – je nach den eigenen Mitteln und Möglichkeiten. Wie hoffnungsvoll, dass derzeit immer mehr besorgte Bürger jeden Alters ihre Couch verlassen und ihrer Sicht der Dinge auch vor der Haustür (friedlich) Nachdruck verleihen ...

Ich muss nun ehrlicherweise gestehen: Auch ich gehöre zur Fraktion der sog. inaktiv-schweigenden Mehrheit, „denn das Korn ist gut und der Hof ist sicher“ – wie es der dänische Philosoph Sören Kierkegaard (bezogen auf die christliche Existenz) einmal ausgedrückt hat. Allerdings gilt auch für mich: Inzwischen ist eine gewisse Schmerzgrenze erreicht. Wenn ich die unverantwortlich-zögerliche Haltung der weltweiten (auch deutschen) Politik in immer mehr Bereichen, den vielleicht bereits nicht mehr aufzuhaltenden Kollaps der Ökosysteme und des Weltklimas sowie die nicht nachlassende Profitgier und den politisch unwidersprochenen Machtmissbrauch mancher Konzerne sehe, dann muss ich schlicht und einfach kotzen. Der Frust ist groß!!

Rainer’s Website 

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